Studie: Reiche sind noch reicher als gedacht – Wirtschaftspolitik – FAZ


StudieReiche sind noch reicher als gedacht

Das Vermögen ist laut einer neuen Studie noch ungleicher verteilt, als bisher angenommen. Frühere Analysen ließen die Superreichen außer Acht, schreiben die Autoren. In Deutschland besäßen die reichsten 5 Prozent sogar über die Hälfte des Vermögens.

15.07.2014, von MAXIMILIAN WEINGARTNERVergrößern

Uns geht’s gut!

Jedes Jahr veröffentlicht das amerikanische Magazin „Forbes“ die vielbeachtete Liste der reichsten Menschen der Welt. Ein saudischer Prinz wollte sich gar einmal nach oben klagen, der ehemalige brasilianische Milliardär Eike Batista sagte in einem Gespräch mit der F.A.Z., er sei noch viel reicher als von Forbes geschätzt. Nun legt eine aktuelle Studie der Europäischen Zentralbank nahe, dass nicht nur die beiden Herren sich falsch eingeschätzt fühlen: Die Reichen sind reicher als bisher angenommen. Die Armen somit jedoch auch ärmer. Zumindest in Amerika und Teilen von Europa.

Maximilian WeingartnerFolgen: 

Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Verfassung und hoher Arbeitslosigkeit in einigen Euroländern wie Portugal oder Spanien bergen solche Zahlen politischen Sprengstoff. Aber auch in Deutschland, wo das Bundesverfassungsgericht gerade über die Erbschaftsteuer verhandelt, fordern linke Parteien eine Umverteilung des Reichtums und eine höhere Besteuerung von Unternehmern, um für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Schon die bisher bekannten Daten über die Verteilung des Reichtums haben für solche Diskussionen gesorgt. Dabei waren die wirklich Reichen bisher gar nicht vertreten, wie der Autor des Arbeitspapiers schreibt. Bisherige Umfragen unter Bürgern wie „The US Survey of Consumer Finances (SCF)“ und „Eurosystem’s Household Finance and Consumption Survey“ (HFCS) würden eine gute Grundlage bieten, jedoch Reiche und Superreiche nicht einschließen. Der Abstand der „ärmsten“ Person auf der Forbes-Milliardärsliste zu dem reichsten Haushalt der bisher genutzten europäischen Umfrage ist riesig. In Deutschland hatte der reichste Haushalt in der bisher genutzten Umfrage 76 Millionen Euro. Laut Forbes-Liste besitzt aber allein die Familie von Karl Albrecht (Aldi) über 18 Milliarden Euro. Die Rücklaufquote der bisher genutzten Umfragen sei aus diversen Gründen wie Verschwiegenheit, Angst vor dem Fiskus oder Neidern oder Desinteresse gering.

28218024© AFPVergrößernForbes listet das Vermögen von Bill Gates auf 76 Milliarden Dollar.

Die Summen der nicht beachteten Vermögen jedoch nicht. Microsoft-Mitbegründer Bill Gates ist nach einer vierjährigen Pause wieder der reichste Mensch der Welt. Sein Vermögen listet das Magazin Forbes in diesem Jahr mit 76 Milliarden Dollar. In den vergangenen 20 Jahren hatte es Gates dem Magazin zufolge insgesamt 15 Mal auf die Spitzenposition der einmal im Jahr veröffentlichten Liste der Milliardäre gebracht.

Dieses Jahr überrundete Gates den 74 Jahre alten mexikanischen Telekom-Tycoon Carlos Slim, der mit einem Vermögen von 72 Milliarden Dollar auf den zweiten Platz verdrängt wurde, gefolgt von dem spanischen Milliardär Amancio Ortega.

28218038© AFPVergrößernCarlos Slim Helu wurde mit einem Vermögen von 72 Milliarden Dollar auf Platz zwei verdrängt.

Insgesamt zählt Forbes 1645 Milliardäre. Traditionell sind zahlreiche Personen aus der Internet- und IT-Branche vertreten. Das Vermögen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wuchs von 15,2 Milliarden auf 28,5 Milliarden Dollar an.

Im Vergleich zu den in der Studie verwendeten Zahlen, um Reichtum zu definieren, sind diese Werte gigantisch. Um der schwierigen Definition von Vermögen gerecht zu werden, teilt die Studie Reiche in drei Stufen ein. Menschen mit einem Vermögen ab 500.000 Euro, ab 1 Million Euro und ab 2 Millionen Euro. In Deutschland etwa wurden nur 85 Haushalte mit mehr als 2 Millionen Euro für die EZB-Studie befragt.

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Bisherige Studien hatten angenommen, dass etwa ein Prozent der amerikanischen Privathaushalte über 30 Prozent des gesamten privaten Vermögens verfügen. Das ist wohl zu gering angesetzt, heißt es in dem Arbeitspapier der Europäischen Zentralbank. Würden „unberücksichtigte“ Daten ergänzt, stiege deren Vermögensanteil deutlich, schreibt Philip Vermeulen, leitender EZB-Volkswirt. Nimmt man die Reichen aus der Forbesliste dazu, steigt der Anteil in Amerika auf 35 bis 37 Prozent. In Deutschland von 26 Prozent bis 28 auf 32 bis 33 Prozent, in Frankreich von 18 auf 19 bis 20 Prozent, in Italien von 15 bis 16 auf 20 bis 21 Prozent.

Bei den reichsten 5 Prozent (ohne die Einarbeitung der Milliardärsliste) liegen die Vermögenswerte zwischen 61 Prozent in den Vereinigten Staaten und 26 Prozent in den Niederlanden. In Deutschland steigt der Anteil der reichsten 5 Prozent von 47 auf 51 bis 53 Prozent. In den Vereinigten Staaten steigt er von 59 auf 58 bis 60 Prozent. In den Niederlanden steigt der Anteil der reichsten 5 Prozent am Vermögen mit den Forbes Milliardären von 26 Prozent auf 28 bis 35 Prozent. In Italien steigt der Wert von 32 Prozent auf 37 bis 38 Prozent.

30218806© APVergrößernSilvio Berlusconi besitzt laut Forbes-Liste ein Vermögen über 8 Milliarden Dollar

Einige Superreiche haben sich der Initiative „The Giving Pledge“ angeschlossen und versprochen, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Dazu gehören Gates, der Investor Warren Buffet, Oracle-Gründer Larry Ellison und der Medienunternehmer Michael Bloomberg. Und ebenso der Karstadt-„Investor“ Nikolas Berggruen. Der Gründer der Initiative Bill Gates, hatte vergeblich versucht, deutsche Milliardäre dazu bewegen öffentlichkeitswirksam ihr Vermögen zu spenden. Nur SAP-Mitgründer Hasso Plattner war dazu bereit.

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